Im Jahre 1881, am Himmelfahrtstage, fanden sich Männer bei Louis Suchier im "Reichskanzler" zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr. Aus ihrer Mitte wählten die angehenden Feuerwehrmänner den Bezirksschornsteinfegermeister Conrad Williges zu ihrem Vorsitzenden und Kommandanten.

Den Ältesten Grebensteins ist der "Alte Willyus" so nannten sie den populären Wehrführer, in ihrem Sprachgebrauch noch bestens bekannt. Im Protokoll von 1888 steht folgender Eintrag:Grebenstein, am 7ten Mai 1888

In der heute Abend anberaumten Generalversammlung wurde die Abhaltung einer Parthie am Tage des Stiftungsfestes (Himmelfahrt) in Vorschlag gebracht. Vorsitzender Williges beantragt mit (Rücksicht auf die jetzt immer wechselnde Witterung, die Parthie nach an einem zu bestimmenden Tag zu verlegen u.s.w.

Am 5. Januar hatten dieselben Männer den "Turnverein zu Grebenstein" ins Leben gerufen. Der Verein führte jetzt den Namen: "Turnverein Grebenstein  Freiwillige Feuerwehr", wie es ein Stempelabdruck im Protokoll von 1884 beweist. Später bürgerte sich die Bezeichnung "Freiwillige Turnerfeuerwehr" ein. Fast zur gleichen Zeit erfolgte die Gründung der Turner Feuerwehr Oberstadt im Jahr 1881. Dieselbe trug auch den Namen "Neuer Turnverein".

Das Grundgesetz der Oberstädter Feuerwehr (Vereinssatzung) stammt vom 14. Dezember 1880. Beide Feuerwehren betrachteten sich als Konkurrenz und es herrschte nicht das beste Einvernehmen zwischen den beiden Wehren. Die Streitigkeiten wurden bis zum Regierungspräsidenten in Kassel ausgetragen.

1888 - 1889 betrug die Mitgliederbewegung 37, 1891 wurden schon 49 Mitglieder nachgewiesen. Es ist eine Abschrift des Mitgliederverzeichnisses vom 3. Juli 1888 vorhanden, wo die Funktion der einzelnen Feuerwehrleute angegeben ist.

So gibt es neben dem Präses, den Kommandanten, der Steigerführer, 4 Steiger, 2 Sectionsführer (lat. Abteilungsführer), 30 Pumpiers zum abwechselnden Bedienen der Feuerspritze und 1 Vereinsdiener. Es sind Namen auf diesem Dokument vorhanden, deren Nachkommen noch heute in Grebenstein leben.

Um 1903 löst sich die Oberstädter Feuerwehr auf. Die Ausrüstung wird nach Landau im Fürstentum Waldeck verkauft. Der Frachtbrief vom 15. Juni 1903 über diesen Verkauf ist noch vorhanden.

Am 22. Dezember 1910 kommt es zur endgültigen Auflösung des "Neuen Turnvereins". Das vorhandene Barvermögen wird unter die noch existenten 12 Mitglieder aufgeteilt. Damit obliegt der Brandschutz in Grebenstein der Unterstädter Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr allein.

Der Ursprung der heutigen Freiwilligen Feuerwehr ist bei der Unterstädter Feuerwehr zu suchen, was allein das alte Protokollbuch von 1884 beweist, das bis zum Jahre 1927 geführt wurde.

Neben den Wehrübungen wurde dem Turnen große Bedeutung beigemessen, damit die Feuerwehrleute körperlich fit blieben, denn bei Ausbruch von Bränden mußten von der Steigermannschaft oft wagehalsige Kletterteuren auf den Feuerleitern gemeistert werden.

Geturnt wurde bei guter Witterung auf Jeppen Felsenkeller am Burgberg. Im Winter und bei schlechtem Wetter im Saal des Reichskanzlers bzw. im Saal Kleinschmidt. Zahlreiche Preise konnten die Turner auf den Gauturnfesten für Grebenstein erringen. Der Turnbetrieb wurde bis zum 1. Weltkrieg aufrechterhalten.

Ihre erste Bewährung bestand die noch junge Turnerfeuerwehr noch im Gründungsjahr 1881, als die rechte Hälfte des Steinweges von W. Groß bis zu Kurt Kleinschmidt (Unterster Krug) abbrannte. Durch ihren Einsatz mit einer für diese Zeit modernen Feuerspritze mit Saug‑ und Druckschläuchen verhütete die Wehr Schaden größeren Ausmaßes.

Große Verdienste erwarb sich unsere Wehr am 20.12.1882, bei einem Großbrand in Fürstenwald. Mit der modernen Feuerspritze bewahrte sie das Dorf vor der völligen Vernichtung, zumal klirrende Kälte und Sturm die Löscharbeiten sehr erschwerten. Die Ventile der Spritze mußten dauernd mit heißem Wasser betriebsfähig gehalten werden, damit sie nicht einfroren.

Am 70jährigen Stiftungsfest im Jahre 1951 ehrten die Fürstenwälder Feuerwehrkameraden unsere Wehr in Form einer Brandchronik, in der nochmals der Dank für die Errettung aus großer Gefahr zum Ausdruck gebracht wurde. Hier findet man die ersten Ansätze des Brandschutzes über Grebenstein hinaus.

Als bei einer Brandkatastrophe am 16. März 1892 in der Nachbarstadt Immenhausen 66 Wohnhäuser mit 80 Wirtschaftsgebäuden abbrannten, war unsere Feuerwehr bis zur Erschöpfung im Einsatz.

Eine alte Feuerspritze aus dem 19. Jahrhundert steht heute im neuen Feuerwehrgerätehaus. Es ist wahrscheinlich das im Jahre 1802 von der Fa. Henschel gebaute Gerät. Lt. Protokollbuch vom 14.12.1890 wurden 300 RM aus der Vereinskasse für eine neue Feuerspritze bewilligt.

Ein feierliches Ereignis war die Fahnenweihe des noch jungen Vereins. Die Fahne kostete 244 RM, was für jene Zeit eine enorme Ausgabe war.

Die Niederschrift vom 18.6.1893 lautet:

Grebenstein den 18/6 1893

Heute Mittag 1/2 2 Uhr trafen auf Einladung die Turnvereine Immenhausen (mit 24 Mitgliedern) Hofgeismar (26 Mitglieder) Calden (15 Mitglieder) ein und vereinigten sich im Vereinslokal mit den hiesigen Mitgliedern zwecks Aufstellung des Festzuges.

Der Zug setzte sich dann Punkt 3 Uhr mit klingenden Spiel in Bewegung in folgender Reihe:

1. Feuerwehr in Uniform
2. Musik
3. Turner im Trico
4. Der Turnverein Calden
5. Der Turnverein Hofgeismar
6. Der Turnverein Immenhausen

Zuerst ging es durch verschiedene Straßen zum Haus des ersten Vorsitzenden, wo der Vorstand die Fahne durch Überreichung der Damen erhielt. Die Ansprache wurde von Fräulein Marie Höhmann gehalten. Der Dank von dem Vorsitzenden im Namen des Vereins ausgesprochen. Der Vorsitzende leistete Namens der Mitglieder den Fahnenschwur. Nachdem Herr Williges unseren Landesherrn Seine Majestät hochleben ließ, wurden "Heil dir im Siegerkranz" gesungen. Der Verein setzte sich wieder in Bewegung und marschierte nach den Herrn Bürgermeister Claus, welcher auch eine Anrede hielt.

Von da wurde zum Festplatz marschiert (Jeppen Felsenkeller), wo nun das Turnen der hiesigen Turner unter dem Turnwart Riemann abgehalten wurde.

Abends wurde die Fahne wieder mit klingenden Spiele in das Haus des Vorsitzenden gebracht. Ein später folgendes Tanzkränzchen vereinigte die Festteilnehmer bis zur frühen Morgenstunde.

Windemuth (Schriftwart)

Eine große Erleichterung im Löschwesen brachte die 1898 erbaute städtische Wasserleitung. Jetzt konnten bei Brandgefahren die Hydranten eingesetzt werden. Bisher wurde das Löschwasser den Wippeteichen, den Zaitenstöcken, dem Brunnen und der Esse entnommen.

Zum erstenmal kam ein Hydrant zum Löscheinsatz, als im Januar 1899 in der Oberen Strohstraße die Häuser Schwarz‑Jeppe, Austermühle und Fenner abbrannten.

1903 mußte das Vereinslokal in den "Untersten Krug" verlegt werden, da das bisherige Gründungsgasthaus "Reichskanzler" durch Feuer niederbrannte.

Conrad Williges führte die Turnerfeuerwehr bis zum Jahre 1910. Sein Nachfolger bis 1921 war der Leineweber und Landwirt Carl Schmidt.

Während des ersten Weltkrieges versah die Pflichtfeuerwehr hauptsächlich den Brandschutz in unserer Stadt, da die meisten Mitglieder der Freiwilligen Turnerfeuerwehr an den Fronten standen.

Seit 1921 stand der Bezirksschornsteinfegermeister Karl Dewald der Wehr vor.

Im Juli 1927 wird die zweite Fahne seit Bestehen der Feuerwehr geweiht. Die Fahne, die die Firma Schäfer und Gundlach in Kassel anfertigte, kostete 316,20 RM.

"Brandenburger Tor" in Grebenstein? Der Fremde der Grebenstein besucht hält vergeblich nach dem Berliner Wahrzeichen Ausschau. Doch wie es zu dieser "Namensgebung" kam, sei hier kurz geschildert:

Als 1928 am Ausgang des Blauen Wandstein in Richtung Hospitäler Platz ein Großfeuer ausbrach, erhielt diese Stelle im Grebensteiner Volksmund die Bezeichnung "Brandenburger Tor". Zumal dieser Stadtteil am Auslauf der Unteren Schnurstraße, Blauer Wandstein und Bahnhofsstoße in den davor liegenden Jahrzehnten von zahlreichen Schadenfeuern "heimgesucht" worden war.

Anfang der dreißiger Jahre bürgerte sich die Bezeichnung "Freiwillige Feuerwehr" ein, da man in der Wehr gänzlich vom Turnen abgekommen war. 1935 erhielt die Feuerwehr eine fahrbare Motorspritze. Damit war wieder ein großer Fortschritt zur Sicherung bei Brandgefahren gewährleistet.

Durch die Beschaffung eines Mannschaftswagens mitten im 2. Weltkrieg erhielt der Brandschutz über Grebenstein hinaus eine Bedeu­tung. Die Feuerwehr leistete psychisch ihr möglichstes bei den verheerenden Luftangriffen auf Kassel.

Besonders am 22.10.1943. Diese überaus gefahrvollen Einsätze der Feuerwehr, unter dem damaligen Wehrführer Schlossermeister Otto Berendt, können nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Man mußte Bombentrichter, Blindgänger und Zeitzünderhomben, die die Straßen versperrten, so gut es ging umfahren, um zur Einsatz- ­und Meldestelle in Harleshausen zu gelangen.

Nach einem Luftangriff leistete die Feuerwehr in Kassel-Harleshausen Löschhilfe, doch da kam höheren Orts der Befehl zum Einsatz in der Hohenzollernstraße, (die heutige Friedrich-Ebert-Straße), weil dort Menschenleben in Gefahr waren. Das Haus in Harleshausen, das hätte gerettet werden können, brannte aus.

Nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 erhielten die Schutzhelme der Wehrleute die englische Bezeichnung "Fireman", da die amerikanische Besatzungsmacht "höllischen Respekt" vor nichtmilitärischen Uniformen hatte.

Ihren ersten Löscheinsatz nach Kriegsende hatten die Feuerwehrmänner im November 1945 an der Friedrichsthaler Straße, als durch Leichtsinn der amerikanischen Besatzungssoldaten eine Scheune in Brand geriet.

1946 - 1947 war die Feuerwehr allein bei Schadenfeuer in der Schnurstraße voll im Großeinsatz.

Im Februar 1951 beging die Wehr im Beisein des damaligen Landrats Dr. Artur Steinbrenner im Saale Kleinschmidt ihr 70jähriges Stiftungsfest.

Die seit Kriegsende verschollene Fahne von 1927 wurde am 2.11.1957 in einem Hause in der Oberen Strohstraße wieder aufgefunden. Die Fahne der Freiwilligen Turnerfeuerwehr Oberstadt fand nach Auflösung der Wehr um 1903 eine Bleibe in einem Hause der Marktstraße. Sie schmückt heute als Dokument zusammen mit der Feuerwehrfahne aus dem Jahre 1927 den Schulungsraum im neuen Feuerwehrgerätehaus.

Am 16. Juli 1965 brach über Grebenstein eine Hochwasserkatastrophe, verursacht durch einen Wolkenbruch, herein. Auch hier leistete die Wehr in diesem Fall " Mädchen für alles" ihren Einsatz. Besonders in der Steinmühle. Der Mannschaftswagen mit dem die Wehrleute so manchen gefahrvollen Einsatz gefahren hatten, ging in der Unterstadt durch Hochwasser verloren. Zwei Jahre später bekam die Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug.

Zum 100jährigen Jubiläum der Wehr hat die Stadt Grebenstein ein neues modernes Löschfahrzeug gekauft. Es wurde der Feuerwehr in einem Festakt übergeben.

Um den Brandschutz besser zu koordinieren ist 1971 eine ehrenamtliche Stadtbrandinspektorenstelle eingerichtet worden, nachdem sich die Gemeinden Burguffeln, Schachten, Udenhausen und die Stadt Grebenstein am 1.10.1970, auf freiwilliger Basis zur Großgemeinde Grebenstein zusammengeschlossen hatten.

Im Jahre 1975 erfolgte die Gründung einer Jugendfeuerwehr. Die jährlich stattfindenden Zeltlager der jungen Wehrleute helfen mit, die Kameradschaft zu festigen und unsere Feuerwehr braucht sich um den Nachwuchs keine Sorgen zu machen.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Wehr war die Errichtung des neuen Feuerwehrgerätehauses im Frauenwinkel. Damit fand ein jahrzehntelanges Provisorium ein Ende. Im 18. Jh. waren das Hochzeitshaus und das Rathaus die Unterkünfte für die Löschgeräte. Bis zur Jahrhundertwende diente ein an der Nordseite des Kirchturms angebautes Spritzenhaus aus dem Jahre 1798 als Domizil der Geräte. Fast 80 Jahre war die Zehntscheune die Bleibe der Feuerwehr. Mit der neuen Feuerwehrunterkunft ist ein alter Wunsch der Feuerwehrkameraden in Erfüllung gegangen.

1982 wurde das alte Löschfahrzeug der Udenhäuser Wehr zum Schlauchwagen umgebaut.

1983 ist in den Turm des Feuerwehrgerätehauses eine Uhr installiert worden. Die Finanzierung der Uhr ist von der Wehr und der Stadt getragen worden.

Die Arbeit in der Jugendwehr hat sich für den Nachwuchs gelohnt. So konnten 1985 15 junge Männer aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst übernommen werden.

1986 wurden die ersten Meldeempfänger zur stillen Alarmierung angeschafft.

Am 24.10.1987, zum Tag der offenen Tür, wurden der Wehr zwei neue Fahrzeuge übergeben. Ein Mercedesbus der in Eigeninitiative von der Wehr zum ELW ausgebaut wurde. Bei dem zweiten Fahrzeug handelt es sich um ein Löschfahrzeug LF 16 TS Typ Magirus.

Das verbesserte Angebot an Lehrgängen erlaubte es laufend Kameraden zu den verschiedenen Lehrgängen zu schicken. Dadurch ist der Ausbildungsstand der Wehr erheblich verbessert worden.

Seit 1987 treffen sich die Senioren der Wehr einmal im Monat im Gerätehaus.

Entnommen der Festzeitschrift zum 110jährigen Jubiläum.